Ruderstars

 

WAZ-Mitarbeiterin im Boot auf dem Rhein-Herne-Kanal

 

Ein Bericht von Anna Hüclelheim (WAZ Herne v. 12.09.l2013)

Die Sachsen besteht fast nur aus Holz, ist blau gestrichen und mit weißen Streifen am oberen Rand versehen. Sie ist ein etwas größerers und breiteres Ruderboot, eine Gig, und gehört zur Flotte des Rudervereins Emscher. Als Doppelzweier mit Steuermann braucht es drei Personen, um die Sachsen in Bewegung zu setzen, eine davon bin ich.

Mit mir ins Boot steigen Charlotte Siering (20), zweifache Bronzegewinnerin bei den Juniorenwelt-meisterschaften, und der dreifache Weltmeister Gregor Hauffe (31). Bei so viel Erfahrung kann ja fast nichts mehr schiefgehen. Das beruhigt, denn als Anfängerin kenne ich Rudern nur aus dem Fernsehen.

Trockenübung am Steg

Der Steg, von dem aus wir starten, liegt auf der Uferseite des Rhein-Herne-Kanals gegenüber der Fläche der Cranger Kirmes. Das Boot liegt ruhig im Wasser und auch das Wetter spielt mit. Doch schon das Einsteigen birgt einige Tücken: "Du darfst nicht direkt auf den Boden des Bootes treten, dann kommst du durch" warnt mich Gregor. Stattdessen muss ich den relativ dünnen Steg unter dem Rollsitz nutzen. Ein Balanceakt: Rechter Fuß auf den Steg, linkes Ruder mitnehmen, den linken Fuß unter dem Ruder herführen und auf das Stemmbrett vor dem Sitz stützen. Dort befestigt Gregor meine Füsse mit einer Schnalle, damit ich besseren Halt habe. Hinter mir sitzt Charlotte, vor mir nimmt Gregor Platz. Er steuert die Sachsen und ist der einzige, der sieht, wo es hingeht. Charlotte und ich sitzen mit dem Rücken zur Fahrtrichtung.

Bevor wir aber rausfahren, gibt es noch eine kurze Trockenübung am Steg. "Zunächst nimmst du die Arme nach vorne", erklärt Gregor und führt die Bewegung vor. Als nächstes muss ich die Beine anziehen und das Ruder drehen, damit ich es senkrecht ins Wasser führen kann. Dabei soll ich mich dann mit den Beinen abstoßen. Danach geht alles wieder von vorne los. "Die Bewegungen der Arme und Beine zu koordinieren ist am Anfang das Schwierigste", sagt Gregor - und behält Recht. Synchron sind Charlotte und ich zunächst überhaupt nicht. Erst nach einigen Metern auf dem Wasser gewöhne ich mich langsam an den Ablauf. Als wir in Richtung Herne fahren, sind wir auf einem Stück sogar etwas schneller unterwegs, so dass ein wenig kühler Fahrtwind aufkommt. So könnte ich mich an dieser Art der Fortbewegung gewöhnen, obwohl ich von der Umgebung um mich herum rein gar nichts mitbekomme.

Ich bin zu sehr darauf konzentriert, alles richtig zu machen. "Beine nicht vergessen", erinnert mich Gregor da auch schon wieder, ansonsten ist er aber ganz zufrieden mit mir. "Läuft doch schon ganz gut." Das finde ich auch und würde gerne noch etwas weiter den Kanal zum Üben herunterfahren, doch da kommt bereits das Kommando zum Wenden.

Es geht zurück zum Steg, die Testfahrt ist leider schon vorbei.

 

   
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